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Schöner Klartext bei der Geldanlage

Aktualisiert: Apr 28

Dr. Pirmin Hotz: „Über die Gier, die Angst und den Herdentrieb der Anleger“



Wie es der Titel schon sagt, beschreibt der Schweizer Vermögensverwalter Dr. Pirmin Hotz pointiert das Anlegerverhalten und gibt wertvolle Hinweise für die eigenen Anlageentscheidungen.

Schön baut der Autor dabei eine absolut lesenswerte und stringente Verbindung zwischen wissenschaftlichen Fakten und seinen persönlichen Erfahrungen auf. Das Buch, in edlem Schwarz gehalten, entpuppt sich als gut zu lesende Lektüre, die knapp 350 Seiten verfliegen schnell.


Hotz ist bekennender Anhänger der modernden Portfolio-Theorie von Markowitz, Fama und Co., er weist aber gleichzeitig auf die häufig anzutreffenden Missinterpretationen der genannten wirtschaftswissenschaftlichen Koryphäen hin und plädiert klar für die Informationseffizienz der Märkte. Im Anschluss enthüllt der Autor süffisant den fragwürdigen Nutzen der Charttechnik. Angesichts der fehlenden seriösen wissenschaftlichen Untersuchungen ist es tatsächlich interessant, warum immer noch weltweit bei den Banken überbezahlte technische Analysten arbeiten. Den Mehrwert dieser Informationen für Privatanleger taxiert der Autor glatt mit unbrauchbar:

„Wiederum andere […] „arbeiteten mit Unterstützungs- und Widerstandslinien, Kopf-Schulter-Formationen oder Dreieck-Konstellationen. Sie kamen zu völlig unterschiedlichen Handlungsempfehlungen.“

Sehr hoch ist dem Vermögensverwalter Hotz sein unverblümter Klartext anzurechnen. Von wegen Schweizer Diplomatie: er nennt Ross und Reiter beim Namen und scheut sich nicht, diverse Börsengurus als Scharlatane oder auch Kaffeesatzleser zu entlarven. Ein kleinen Quervergleich mit der Homöopathie darf natürlich nicht fehlen, hüben wie drüben ist ja der Glaube daran das Wesentliche, dem Placebo-Effekt sei Dank.

Amüsiert kann der Leser in der Folge die diversen Fehlprognosen von NZZ-Wirtschaftsjournalisten oder Chefökonomen renommierter Schweizer Banken nachverfolgen, Hotz erweist sich hier mehrfach als ironischer Chronist dieses bezahlten „Stochern im Finanz-Nebel“.


In Kapitel fünf erläutert Hotz dann seine Empfehlungen für einen erfolgreichen Vermögensaufbau. Ausgehend von der Empirie zeigt der Autor klar auf den Fakt, dass 80-90 % des langfristigen Anlageerfolges von der Vermögensstrukturierung („Asset Allocation“) abhängen. Folgerichtig sollte man als Anleger sein Hauptaugenmerk natürlich darauf richten, ohne die Gebühren zu vergessen. Für Anlagevermögen unterhalb der Millionenschwelle verweist der Autor, ganz der professionelle Vermögensverwalter, klar auf ETF und Indexfonds. Die vielen Vorteile der indexorientierten Anlage, die allseits bekannten niedrigen Kosten und die im Vergleich sehr gute Diversifikation sprächen sehr klar für diese Anlageklasse. Gleichzeitig kritisiert Hotz aber auch die Schwachstellen einer reinen ETF-Strategie: man kauft eben auch viel schlechte Aktien bzw. Anleihen und man sollte sich dessen als ETF-Anleger auch bewusst sein.

„Wenn Sie indexiert investieren kaufen Sie alles, was an der Börse gehandelt wird – auch jeden Schrott“

Darüber hinaus unterliege der reine ETF-Investor einem prozyklischen Anlageverhalten, was Hotz als bekennendem Antizykliker natürlich missfällt – er kauft offensichtlich, ganz im Stile des grossen Warren Buffett, natürlich gern günstig an der Börse ein.


Bewahren möchte der Autor den geschätzten Leser vor oft von Bankberatern empfohlenen, jedoch aus Anlegersicht unsinnigen Anlageklassen. Anhand eines „Barrier Reverse Convertible“ zerlegt der Autor im Anschluss schon fast genüsslich die besonders in Deutschland stark verbreiteten strukturierten Produkte - in der Branche gern „Strukkis“ genannt. Die Intransparenz, die versteckten Gebühren und die oft nur scheinbar vorhandene Diversifikation sind genug Argumente, um diese Anlageklasse zu meiden, Finger weg ist die Devise.

Dem wohl aktuellsten Megatrend, den Kryptowährungen, steht Pirmin Hotz eher skeptisch gegenüber. Mit den historischen Argumenten der letzen Blasen zweifelt er deren Eignung als Spekulationsobjekt an. Folgerichtig sieht er die digitalen Währungen eher als Zahlungsmittel, erwähnt die Blockchain-Technologie und verweist zu Recht auf das politischen Risiko: Die Frage, wie lange die nationalen Regierungen und Notenbanken dem unregulierten Treiben von Bitcoin und Co. noch zuschauen, muss wohl zu Recht gestellt werden.


Fazit: Alles in allem ist das Buch sehr lesenswert und wunderbar pointiert geschrieben. Ich empfehle es jedem Privatanleger (mit Vorkenntnissen) in der Schweiz, aber auch in Deutschland und Österreich als Lektüre. Der Erkenntnisgewinn ist sehr hoch und wird hoffentlich mehr Klarheit und Vernunft in puncto Vermögensanlage für alle Beteiligten bringen.


Dein Finanz-Uhu


Bewertung: 5 von 5 Sternen.


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