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ETF- und Aktiensparpläne für Schweizer?

Aktualisiert: Mai 8

So kannst Du regelmässig und günstig ETFs und Aktien besparen


Eine schöne und sinnvolle Form des Vermögensaufbaus besteht in der regelmässigen Besparung von renditestarken Anlageklassen. Sinnvoll heisst, dass das Risiko-Renditeverhältnis günstig ist und zu Deiner persönlichen Risikofähigkeit passt. Ab einem mittelfristigen Anlagehorizont haben sich die Anlageklassen der börsengehandelten Indexfonds, kurz ETFs und natürlich Aktien als sehr gut für Privatanleger geeignet herausgestellt. Ich zeige Dir in diesem Artikel worauf Du bei einem Wertpapiersparplan achten musst (Die Grundlagen findest Du hingegen hier).


Grundsätzlich kann man bei jeder Bank Wertpapiere kaufen, nur sind leider die Gebühren bei Schweizer Banken im europäischen Vergleich nicht günstig, so dass sich eine Investition erst ab grösseren Summen lohnt.

Das ist unpraktisch für die Mehrheit der Angestellten, erhält man doch den Lohn auf monatlicher Basis. Daher empfehle ich, aus dem verhaltensökonomischen Ansatz heraus, den Sparplan ebenfalls auf monatlicher Basis aufzugleisen - denn Geld welches Du investierst, gibst Du (erstmal) nicht aus. Lass uns doch gemeinsam das kurzfristige Belohnungssystem im Gehirn überlisten :)




Dazu benötigen wir zunächst eine Depotbank, dort werden Deine Wertpapiere gekauft und gelagert. Auch das Steuerverzeichnis, wichtig für Deine Steuererkärung, wird durch die Depotbank erstellt.



1. Möglichkeit - Die heimische Bank: Swissquote


Swissquote muss man wohl kaum noch vorstellen, die wohl führende Schweizer Online-Bank mit Hauptsitz in Gland VD bietet eine Vielzahl von Investitionsmöglichkeiten für Kleinanleger und Trader. Swissquote verfügt über eine Schweizer Banklizenz und untersteht der Überwachung durch die eidg. Finanzmarktaufsicht FINMA (mehr Infos dazu hier). Für uns interessant sind natürlich die Möglichkeiten der handelbaren Wertpapiere, die ETF-Palette ist erfreulich breit:


ETF UBS Finanzuhu Bild Finanzblog Schweiz
Anzahl und ETF-Anbieter bei Swissquote

Die Kontoeröffnung ist recht unkompliziert möglich. Wenn man seine ID zur Hand hat, ist eine Identifizierung via Webcam schnell und einfach möglich. Anschliessend kann man aus einer breiten Palette von ETFs und Aktien wählen.


Ich möchte aber Deinen Fokus auf die Handelsgebühren lenken, denn diese

unterscheiden sich doch recht stark. Wie in der Grafik oben zu sehen, kostet der Kauf von ETFs neun CHF netto pro Trade, nur leider kommen eben noch die Fremdspesen, Börsengebühren etc. oben drauf. Selbiges gilt auch für Einzelaktien: der Aktienkauf mit kleineren Beträgen, typisch für einen Sparplan, ist nicht billig, wie an folgendem Beispiel gut zu erkennen ist. Hier die Abrechnung meines echten Aktienkaufs mit 445 CHF und fünf Aktien von BB Biotech bei Swissquote:

Swissquote Finanzuhu Finanzblog Schweiz

Man sieht sehr schnell, wie die Gebühren sich summieren: für den Kauf im Wert von 444.75 CHF werden insgesamt 11.70 CHF fällig, das entspricht einer Gebührenquote von ca. 2.7% - nur für den Kauf. Denn falls man zu einem späteren Zeitpunkt diese Aktien wieder verkaufen will, kommen nochmal die gleichen Gebühren auf den Anleger zu. Dazu gesellen sich noch die immer fälligen Depotgebühren von Swissquote, welche min. 15 CHF pro Quartal, im Maximum dann 50 CHF pro Quartal betragen, falls das Depotvolumen grösser wird (... was natürlich unser Ziel beim Sparplan ist :) )


Das grosse Manko bei Swissquote: der anvisierte monatlichen Sparplan lässt sich nicht automatisieren. Man kann also keine "Automatik" einstellen, so dass der monatlich vom Lohnkonto überwiesene Betrag automatisch investiert wird. Das muss man das "von Hand " erledigen und tatsächlich jeden Monat diszipliniert daran denken. Warum Swissquote diese einfache und sinnvolle Methode des Wertpapiersparplans noch nicht implementiert hat, lässt doch einige Fragezeichen offen.


Folgerichtig sollte man, wenn man Wert auf eine Schweizer Depotbank legt, zum Beispiel einen quartalsmässigen Sparplan initieren, bei dem man bspw. 1'500 CHF pro Quartal investiert. Das reduziert die Anzahl der Transaktionen pro Jahr, zumindest eine kleine Optimierung der Kosten.


Hier geht es zur Depoteröffnung von Swissquote. Mit dem Code vy3w60 , Eingabe bei "Freundschaftswerbung", erhälst Du 100 CHF Trading-Credits, also Handelsguthaben, sobald Du Geld auf das Depot einzahlst.



2. Möglichkeit: Stark und günstig: Smartbroker


Smartbroker, Finanzblog Schweiz Sparplan

Smartbroker ist eine Handelsplattform welche von Wallstreet:online, dem wohl grössten Online-Börsenportal im DACH-Raum initiert wurde und nach eigenen Angaben die "grösste Online-Community im Finanzbereich" darstellt. Als Depotbank für Smartbroker agiert die DAB BNP Paribas. Das ist die deutsche Tochtergesellschaft der französischen Grossbank BNP Paribas, welche vor allem auf das Geschäft mit unabhängigen Vermögensverwaltern, Anlageberatern und institutionelle Kunden fokussiert ist.


Die Sparplan-Auswahl für Privatanleger ist sehr gut und es werden explizit gebührenfreie ETF-Sparpläne beworben:

ETF Sparplan Finanzblogger Schweiz Finanzuhu

Das Tolle: auch für Anleger mit Wohnsitz in der Schweiz oder Österreich ist die Depoteröffnung möglich! Dann kann man bereits ab monatlich 25 Euro automatisiert in einen Wertpapiersparplan investieren, und das gebührenfrei bzw. mit sehr akzeptablen 0.2% pro Ausführung. Darüber hinaus hat es bei Smartbroker keine Depotgebühr - ideal wenn man einfach und langfristig Vermögen aufbauen will.


Auch mit Einzelaktien kann man einen Sparplan initialisieren, derzeit kann man 102 ausgewählte deutsche und US-amerikanische Titel per Sparplan kaufen, die Mindestsumme beträgt 125 Euro je Ausführung (nur ganze Aktien möglich). Hier mal die aktuelle Auswahl der US-Titel:


Finanblog Schweiz Zürich Aktiensparplan

Die Depoteröffnung ist online möglich und unkompliziert. Man wird anschliessend über das PostIdent-Verfahren der Deutschen Post von einer Post-Mitarbeiterin per Webcam identifiziert. Das ganze dauert ca. fünf bis zwanzig Minuten, je nach online-Warteschleife.

Mit Wohnsitz Schweiz muss man anschliessend noch einen aktuellen Wohnsitznachweis (kostet ca. 20 CHF, Stadt Zürich) und aus steuerlichen Gründen eine FATCA-Erklärung einschicken. Beides geht unkompliziert als unterzeichnetes PDF per E-Mail.

Smartbroker Finanzblog Schweiz Sparplan
Das FATCA-Formular der Depotbank, Smartbroker

Zu guter Letzt dauert es ca. noch zwei Wochen, dann aber ist das Depot parat und man kann loslegen. Übrigens: auch ausserhalb des Sparplans ist der Wertpapierhandel im Vergleich sehr günstig, ab einem Volumen von 500 Euro kostet der Handel am Handelsplatz gettex (Börse München) exakt 0 Euro! Ansonsten werden in der Regel vier Euro Gebühr an deutschen Handelsplätzen fällig. Es hat verschiedene Verrechnungskonten, die Einzahlung in CHF ist direkt möglich und auch Erträge, wie z.B. Dividenden, werden in der jeweiligen Währung ausgeschüttet. Ja, das ist grossartig! Hier kommst Du zur Depoteröffnung.


Ein netter Nebeneffekt für Schweizer Anleger: beim Kauf in Deutschland fällt keine eidg. Umsatzabgabe an. Diese ist de facto eine Finanztransaktionssteuer und geht bei einem Vergleich gern vergessen, macht sich aber im Hinblick auf den nachhaltigen Vermögensaufbau bemerkbar.

Einziges Defizit: eine brauchbare App fehlt! Ein Handel ist zwar mit dem mobilen Browser auf dem Handy möglich, schön sieht es aber nicht aus. Hier hat es Raum für Optimierungen.


Fazit: wer mit einer deutschen Depotbank kein Problem hat, ist bei Smartbroker sehr gut aufgehoben. Die Gebühreneinsparung über eine Laufzeit von 20 oder 30 Jahren ist immens. Auch die Tatsache dass keine Depotgebühren anfallen, macht die Lösung Smartbroker sehr sympatisch und sehr gut geeignet für Privatanleger in der Schweiz - vor allem wenn man mit einen Sparplan loslegen möchte.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt: Der Mehraufwand bei der Steuererkärung aufgrund des ausländischen Steuerverzeichnisses ist vertretbar, die Vorteile bei der Einsparung der Handelsgebühren überwiegen.

Auch in puncto Sicherheit kann man gelassen bleiben: die EU-Einlagensicherung deckt 100'000 Euro Barvermögen pro Kunde ab. Sie ist, allen Unkenrufen zum Trotz, nicht per se schlechter als die Schweizer Einlagensicherung. Dazu kommt dass Deine Aktien und ETFs im Konkursfall sowieso sogenanntes Sondervermögen darstellen - also selbst wenn BNP Paribas, die Depotbank, Pleite geht, sind deine Wertpapiere nicht "weg". Viel mehr verbleiben sie ausserhalb der Konkursmasse. Sie würden in diesem, sehr unwahrscheinlichen Szenario einfach an eine andere Depotbank transferiert werden.


Ich hoffe ich konnte Dir eine Entscheidungshilfe mitgeben. Freue mich über ein "Herz" und Deine Kommentare.


Herzlich, Dein Finanz-Uhu.



Nachtrag: Warum mein Fokus auf Gebühren? Ganz einfach: während die Rendite einer Anlage eher schlecht vorhersehbar ist, lassen sich Gebühren gut beziffern und messen. Die seriöse Finanzliteratur hat den Einfluss der Gebühren auf die Gesamtrendite bereits ausführlich und gut beschrieben:

"Die meisten Privatanleger unterschätzen sowohl die absolute Höhe dieser [Anlage]kosten als auch Ihren renditeschädlichen Effekt. Dieser ist generell stark und wirkt langfristig noch schlimmer als kurzfristig" Gerd Kommer, 2018



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