• Finanz-Uhu

Nachhaltiger Vermögensschutz in Buchform

Aktualisiert: Mai 13

„Souverän Vermögen schützen“ von Gerd Kommer und Olaf Gierhake


Nicht wie man ein Vermögen aufbaut, sondern wie man es vor diversen Gefahren schützt, ist das Thema im neuen, vom Finanz-Uhu mit Spannung erwarteten Buch von Gerd Kommer und Olaf Gierhake. Autor Kommer gilt bei Privatanlegern schon seit geraumer Zeit als eine Art „ETF-Papst“ im deutschsprachigen Raum und hat sich eine immer grösser werdende Anhängerschar aufgebaut.


Der zweite Autor, Olaf Gierhake ist ebenfalls ein bekannter Name, vor allem wenn es um die Rechtsform und Beratungen zu Stiftungen geht. Beide Autoren sind gleichzeitig Unternehmer mit einer beeindruckenden Leistungsbilanz und grossem akademischem „Geweih“. Dennoch verstehen es beide Co-Autoren in durchaus verständlicher Sprache Ihre Kernaussagen an die Leserschaft zu bringen. Zum Glück schwingt bei all der trockenen Sachlichkeit immer noch ein ironischer bis bissiger Unterton mit, so dass der geneigte Finanz-Uhu bei der Lektüre öfter ein Schmunzeln im Schnabelgesicht hatte:


„Dass Geld oder Reichtum nicht glücklich mache, ist ein längst widerlegtes Oma-Sprüchlein, das aber am Stammtisch, in der Firmen-Cafeteria, im Internet und in den Leitmedien von einer nie schrumpfenden Armee aus Esoterikern, Gesellschaftskritikern und anderen »Experten« seit Jahren und Jahrzehnten mit bemerkenswerter Faktenresistenz wiederholt wird.“

An wen richten sich die Autoren? An Privatpersonen mit einem Nettovermögen von mindesten ein oder zwei Millionen Euro, Wohnsitz in Deutschland (Zum Nutzen für Leser in Österreich und in der Schweiz weiter unten). Grad zu Beginn des knapp 400 Seiten umfassenden Handbuchs verweisen die Verfasser zunächst auf die grundlegende Unterscheidung von Vermögensaufbau und Vermögenserhalt, da naturgemäss die Prioritäten, Ziele und Massnahmen hier weit auseinander gehen. (Hierzu auch spannend das Buch von Rainer Zitelmann „Reich werden und Reich bleiben“, in der Bibliothek). Zentral im Vermögensschutz sind laut den Autoren drei Felder:


  1. Vermögensbewahrung: Massnahmen zur Senkung von Steuern und Gebühren.

  2. Asset Protection: Schutz vor politischen, zivilrechtlichen und Steueränderungsrisiken

  3. Finanzrisikomanagement: Massnahmen zur Steuerung von Markt- und Produktrisiken

Speziell die politischen Risiken fand der Finanz-Uhu spannend, Eingriffe in die Eigentumsrechte wie die in 2020 eingeführte „Mietpreisbremse“ in Berlin und die schräge Schuldenpolitik der EU werden klar benannt und auf die Risiken hingewiesen. Gleich relativieren die Autoren eigene weltanschauliche Betrachtungen:

„In diesem Buch halten wir uns nicht an die Weltanschauungen, sondern soweit es irgend geht an konsequente kühle Vernunft, Wissenschaftlichkeit, Sachlogik und harte statistische Daten“

Etwas trocken, aber aus Sicht der Autoren notwendig, liest sich der folgende steuerrechtliche Exkurs. Die Unterschiede in der Besteuerung sind doch erheblich, die Details eher variantenreich und ob hier alle Laien jederzeit den Überblick behalten ist etwas fraglich.



Interessant für alle Leser in Deutschland ist die von Gerd Kommer bekannte zelebrierte Entzauberung von liebgewonnen Mythen: Ein Konto in der Schweiz? Ist legal, kostet aber hohe Gebühren und bringt wenig. Eine zweite Staatsbürgerschaft? Netter Versuch, löst aber nicht wirklich die steuerliche Problematik. Spannend zu lesen ist vor allem die erbrechtliche Belastung bzw. Betrachtung von deutschen Unternehmern: hier kann eine ungewollte Doppelbesteuerung die Steuerlast auf 100%(!) hieven. Ebenfalls ist die Wegzugsbesteuerung ein nicht zu unterschätzender Vermögenskiller:

„Die Wegzugsbesteuerung kann auch greifen, wenn gar niemand umzieht: Vererbt ein Unternehmer einen Unternehmensanteil [in Deutschland] an eine im Ausland wohnende Tochter, ist nicht nur Erbschaftsteuer geschuldet, sondern auch die Wegzugsteuer, weil die Tochter im Ausland lebt.“

Schön ist der Vergleich bei den Anfechtungsfristen von Schenkungen: Während man in Deutschland ganze vier Jahre zittern darf, ist diese Frist in Österreich und der Schweiz lediglich auf zwei Jahre beschränkt. Und in Liechtenstein ist es gar nur ein Jahr, was zu den vielen Vorteilen einer juristischen Person, respektive Stiftung im Fürstentum gezählt werden darf.

Und damit steuern die Autoren auch zielgerichtet auf Ihre favorisierte Lösung zu: der Familienstiftung in Liechtenstein.


Die kleine Monarchie im Rheintal wird lobend erwähnt, das Konzept der Privatstiftung erklärt und natürlich mehrfach auf die Legalität(!) des Vorgehens hingewiesen. Und in der Tat hat Liechtenstein mit seiner „Weissgeldstrategie“ seit 2009 eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Das Fürstentum ist schon längt keine Steueroase mehr, möge das Buch dabei helfen dass sich diese Einsicht auch nördlich des Bodensees endlich durchsetzt.


„Mit einer Stiftung [in Liechtenstein] lassen sich letztlich alle in diesem Buch adressierten Vermögensschutzziele – Vermögensbewahrung, Asset Protection und Finanzrisikomanagement – simultan umsetzen und erreichen.“

Die Vorteile der liechtensteinischen Familienstiftung werden verständlich und umfassend erklärt und stets auf die Rechtslage verwiesen. Besonders von Nutzen ist die angebotene Lösung tatsächlich für deutsche Unternehmer bzw. Unternehmerfamilien, erst recht wenn nachhaltig und generationenübergreifend das Vermögen geschützt werden soll. Am Stiftungssitz im Fürstentum sei das Stiftungsvermögen „[…] möglicherweise geringeren politischen, volkswirtschaftlichen, steuerrechtlichen und zivilrechtlichen Risiken ausgesetzt als am Wohnsitzort der Familienmitglieder.“ – wer glaubt das sei aus deutscher Optik abwegig, möge bitte das Wahlprogramm der deutschen Grünen Partei 2021 studieren.


Für die Leser in Österreich und in der Schweiz wird ein eigenes Unterkapital angeboten, länderspezifische Eigenheiten werden verständlich beleuchtet. Aus Schweizer Optik wirkt das Gesagte allerdings teilweise etwas banal, die Vorzüge unserer direkten Demokratie und die Rechtssicherheit bzw. kantonale Steuerhoheit sind keine neuen Erkenntnisse – fachlich versierte Schweizer Leser könnten hier etwas enttäuscht werden. Zumindest kurz wird aber die Möglichkeit der Nutzung von Trusts für Steuerpflichtige in der Schweiz erwähnt:


„Für Unternehmer und vermögende Privatpersonen in der Schweiz bestehen allerdings – anders als für Personen in Deutschland – auch Gestaltungsoptionen in anderen Ländern als Liechtenstein und außerhalb der EU. Da die Schweiz, im Unterschied zu Deutschland, auch dem Haager Trust-Übereinkommen beigetreten ist, kommt für Schweizer grundsätzlich die Nutzung von Auslands-Trusts als Vermögensschutzvehikel in Betracht.“

Lohnt sich der Kauf für Leser mit Wohnsitz in der Schweiz oder Österreich?


Ich sage ja. Denn vor allem für vermögende Privatpersonen mit Wohnsitz Österreich sind viele politische Risiken (EU-Haftungsunion, Flüchtlingsproblematik) quasi deckungsgleich mit Deutschland und sehr schwer einzuschätzen – damit potenziell gefährlich. Hinzu kommt dass sich, nach Aussage von Olaf Gierhake, die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen für Privatstiftungen in der Alpenrepublik über die letzten Jahre verschlechtert haben. Spätenstens im Hinblick auf die österreichische Körperschaftsbesteuerung ist der Stiftungssitz in Liechtenstein von klarem Vorteil.


Gegen Ende des Buches kommt dankenswerter Weise noch das Thema der richtigen Beraterwahl zur Sprache. Selbst der fachlich gebildete Leser wird nach 300 Seiten Exkurs feststellen, dass die Komplexität des Themas doch sehr hoch ist. Falls tatsächlich aufgrund der geschilderten Vorteile die Wahl auf die Errichtung einer Liechtensteiner Privatstiftung fällt, ist eine saubere und individuelle Beratung zwingend. Nur so lassen sich kapitale Fehler vermeiden.

Fazit: Das Buch richtet sich mehrheitlich an Leser und Unternehmer bzw. vermögende Privatpersonen mit Wohnsitz in Deutschland. Auch allen interessierten Lesern in Österreich sei das Buch wärmstens an Herz gelegt. Hier in der Schweiz ist der Nutzen nicht ganz so hoch, dennoch ist das Buch spannend zu lesen und für Finanz-Fachleute zwischen Basel und Chur eine definitive Pflichtlektüre - so man denn Kundschaft mit Vermögen im Ausland berät. Der interessierte Leser wird aufgrund des didaktisch sehr schön aufbereiteten Leitfaden-Charakters voll auf seine Kosten kommen und eine gute erste Orientierung erhalten.


Dein Finanz-Uhu


Bewertung: 5 von 5 Sternen.


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